Sonntag, 7. Dezember 2014

Janina und die Schokoladenfabrik

Die Schokoladenfabrik Freia ist der größte Schokoladenhersteller Norwegens. Hier war unsere Oslo-Korrespondentin Janina unterwegs und fühlte sich wie zu Gast bei Willy Wonka aus dem Film "Charly und die Schokoladenfabrik". Schokolade und Weihnachten, das gehört in Norwegen einfach zusammen. Freialand, wie die Osloer Schokoladenfabrik noch gerne genannt wird, liegt im In-Viertel Rodelløkka.


Das Freia-Logo: Ein leuchtender Hingucker über der Osloer Innenstadt


Im Jahre 1889 gründete Johan Throne Holst die Schokoladenfabrik in Oslo. Das erste Schokoladengeschäft öffnete 1899 im Herzen Oslos auf der heutigen Shoppingmeile Karl Johans gate. Auf dem internationalen Markt konnte sich Freia jedoch nicht behaupten, aber ist im Nachbarland Schweden unter dem Markennamen Marabou erfolgreich. Beide Marken gehören dem Großkonzern Mondelēz International an und erhielten einen hohen Bekanntheitsgrad durch die Entwicklung der Daim Schokolade.



Für einen kleinen Eintrittspreis führt ein Freia Mitarbeiter unsere knapp 20-köpfige Studentengruppe durch die Geschichte der Schokoladenherstellung. Eine nachgebaute Zeitmaschine versetzt uns zurück in die Zeit des ersten Funds der Kakaobohne, über die erste Produktion trinkbarer Schokolade bis hin zur eigenen Herstellung Freias und die Anfänge der erfolgreichen Schokoladenfabrik in Norwegen. In der nachgebauten Schokoladenherstellung im Miniaturformat dürfen die Besucher ihre eigene Schokolade herstellen und die Verpackung selbst gestalten. Während der Führung durch die Fabrikhalle erhärtet die selbstgemachte Schokolade im Kühlschrank und bietet am Ende eine süße Erinnerung.

Janina übt sich als Schokoladenfabrikantin

Unzählige Zutaten stehen für die selbstkreierte Schokolade zur Verfügung



Zwischendurch können wir  immer wieder Schokolade kosten, von der ersten Freia Zartbitterschokolade, über den Schokoriegel Japp, bis hin zur neuesten Erfindung der Jelly Popp Schokolade, die auf der Zunge knistert. Besonders beliebt in Norwegen ist jedoch Kvikk lunsj, ein schneller Mittagsnack und die norwegische Variante von Kit Kat. Der Schokokeksriegel hat sich zu einem traditionellen Snack auf den zahlreichen Wanderungen der norwegischen Bevölkerung etabliert. In der Verpackung sind Tourenvorschläge für die nächste Wanderung in der Landschaft Norwegens versteckt. Mit einem letzten Einblick in die Kantine, behangen mit den Werken des berühmten norwegischen Künstlers Edvard Munch, endet die Führung durch das Schokoladenparadies Freia im vorweihnachtlichen Norwegen.

Text und Bilder: Janina Renk

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Die Stimmungsmache wird im Keim erstickt

In Dresden gehen seit Wochen jeden Montag mehrere tausend Menschen unter dem Namen PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) auf die Straße, rufen den geklauten Slogan „Wir sind das Volk“, schüren Ressentiments gegen Asylsuchende, Flüchtlinge und Muslime und bereiten so den Nährboden für Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus. Am 18. November gab es im Internet den ersten Hinweis, dass sich auch in Würzburg eine Gruppe zusammengeschlossen hat, die ähnlich denkt und Sympathiebekundungen nach Dresden geschickt hat. Rund zwei Wochen später findet in der fränkischen Domstadt erstmals eine angemeldete Demonstrationen statt, die jedoch weit entfernt ist von den Dresdener Dimensionen.


Etwa 25 Personen, junge und ältere Menschen, einige Deutschlandfahnen, ein Spruchband: „Asylrecht ist kein Einwanderungsrecht! Stoppt die staatliche Rechtsbeugung!“, dazu ein beschrifteter Regenschirm: „Unser Land, unsere Werte“. Was am Montagabend in Würzburg geschieht, ist keine Demonstration von PEGIDA, es bleibt eine Sympathiebekundung. Auf Nachfrage teilt ein anwesender Polizist mit, dass die Anmeldung der Demonstration nicht auf den Namen PEGIDA erfolgt ist.

200 Gegendemonstranten blockieren die Demonstration

Wie man es auch nennen mag, die anwesenden Demonstranten kommen nicht weit. Nach 30 Metern ist Schluss, etwa 200 Gegendemonstranten blockieren die geplante Route Barbarossaplatz – Echter Denkmal – Barbarossaplatz. „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ von Seiten der Gegendemonstranten trifft auf „Nazis raus“ von Seiten der PEGIDA-Sympathisanten. Nach außen geben sie sich bürgerlich und gegen jede radikale Strömung, wer nicht auf dem rechten Auge blind ist, sieht jedoch trotz der Alibiparolen die eindeutige Stimmungsmache gegen hilfesuchende Flüchtlinge in Deutschland. Auch die Ansage, verbal und physisch gewaltfrei zu demonstrieren, wird nicht von jedem eingehalten. Als ein Gegendemonstrant bemängelt, dass ein Kind nicht auf eine solche Demonstration mitgenommen werden sollte, erhält er umgehend die Antwort „Halt die Schnauze, sonst kriegst du aufs Maul!“ Ein anderer Teilnehmer des kleinen Aufmarschs droht umstehenden Gegnern, er sei bewaffnet. Die Polizisten, die für Ruhe sorgen sollen, gehen der Drohung jedoch nicht nach.

Hose: „Kein leichtes Spiel in Würzburg“

Nach einer Weile merken die Demonstranten, dass es kein Weiterkommen geben wird, sie gehen den kurzen Weg zurück zum Barbarossaplatz, ununterbrochen begleitet von Protestrufen wie „Schulter an Schulter gegen den Rassismus“. Zum Abschluss halten sie ihre Handys in die Luft, dann löst sich die Versammlung nach und nach auf. Burkhard Hose, katholischer Hochschulpfarrer, der sich intensiv im „Bündnis für Zivilcourage“ engagiert, ist froh über den Verlauf des Abends und zieht ein positives Fazit aus der Blockade der Demonstration: „Ich bin sehr zufrieden und freue mich vor allem, einen Haufen junge Menschen zu sehen, welche die Geschehnisse aufmerksam verfolgen. Die Demonstranten haben gesehen, dass sie in Würzburg kein leichtes Spiel haben. So etwas wie in Dresden wird es bei uns nicht geben.“
 
Eindeutige Stimmungsmache gegen hilfesuchende Flüchtlinge: Demonstranten in Würzburg
 
 
Text und Bild: Hendrik Geisler

Montag, 1. Dezember 2014

Studi- und Kulturticker vom 1. bis 7. Dezember 2014


Konzert!

Wie, noch nicht in Weihnachtsstimmung? Abhilfe schafft mit Sicherheit das Weihnachtsoratorium des Monteverdichors in Kombination mit Talenten der Jenaer Philharmonie, das am 6. Dezember um 20 Uhr und am 7. Dezember um 17 Uhr in der Neubaukirche erstaufgeführt wird. Die Aufführung der Stücke von Richard Wetz sind ein weiterer Beweis dafür, dass Weihnachten langsam in greifbare Nähe rückt. Ihr habt doch auch sicher schon alle Geschenke besorgt…

Party!

Das Tirili wird 2014 ja bekanntlich ein viertel Jahrhundert alt und ihr seid herzlich zur Geburtstagsparty eingeladen, die uns dieses Jahr zur Mitte der Woche glücklich macht: Am 3. Dezember ab 22 Uhr wird es wie gewohnt wild am Exerzierplatz! Cocktails gibt’s zum Beispiel schon ab 3 Euro.

Poetry!

Bei Großraumdichten & Kleinstadtgeschichten erwartet euch am 4. Dezember um 20 Uhr ein Abend voller geistreicher Kurzgeschichten von Slam-Poeten, die gewohnt wortgewandt ihr Bestes auf der Bühne des Theaters am Neunerplatz geben werden. 

Theater!

Unter dem Motto „Keine Arme – keine Schokolade“, so eine Weisheit des französischen Films „Ziemlich beste Freunde“, hat uns die Komödie schon einige Tränen lachen und die beiden Protagonisten ins Herz schließen lassen. Im Theater Chambinzky kann man das Stück als Theaterinszenierung bestaunen, da ist gute Unterhaltung vorprogrammiert. Tickets gibt es noch für jeden Abend dieser Woche, das Wochenende ausgeschlossen.

Weihnachten in Norwegen: Hoch oben im Norden


Knapp 45 Minuten mit dem Bus liegt die Hafenstadt vom Osloer Busterminal entfernt. Um die 15 000 Einwohner, leben größtenteils in charmanten Holzhäuschen, die das Stadtbild prägen. In den Sommermonaten lockt diese Touristen mit dem klaren Fjordwasser zum Baden an und mit einer Fährenfahrt zur Festungsinsel Oscarsburg. In der Vorweihnachtszeit hingegen bezaubert Drøbak mit geschmackvoll geschmückten Straßen, dem Weihnachtshaus „Julehuset“ und niedlichen Kaffees, sowie zahlreichen Kunstgalerien.


Weihnachtliche Stimmung am Oslofjord
Hoch oben im Norden, dort wo der Weihnachtsmann wohnt?! Nicht gleich der hohe Norden muss es sein, um sich Weihnachten ganz nahe zu fühlen und norwegische Weihnachtstraditionen zu erleben. Bekannt ist Drøbak unter anderem durch sein Weihnachtspostamt, an das Kinder weltweit ihre Wunschliste an den Julenissen verschicken. Julenissen, das klingt dem Begriff Weihnachtsmann nicht besonders ähnlich. Der Mythos vom Julenissen, einem Weihnachtskobold, ist in Norwegen viel weiter verbreitet als der Glaube an den Weihnachtsmann. Die beschauliche Kleinstadt am Oslofjord lässt bei ihren Besuchern die Vorfreude auf Weihnachten steigen.

 
Hier fühlen sich Weihnachtskobolde wohl: Das Julehuset
Das „Julehuset“ erweckt den Anschein, als sei es vom Weihnachtsmann höchstpersönlich gestaltet. Es ist voller traditioneller Weihnachtsdekoration, gemischt mit modernem und glitzerndem Christbaumschmuck. Zur Einstimmung in die Adventszeit gehört in Norwegen die leckere Zimtschnecke, hier „Kanelboller“ genannt, dazu. Bei frisch gebrühtem Kaffee in einer der zahlreichen und gemütlich eingerichteten Kaffeehäuser konnten wir, vier Austauschstudenten, den Drøbakausflug besonders gut ausklingen lassen.
Hier geht's zu original Kanelboller-Rezept: norwegische Kanelboller auf chefkoch.de

Sie gehören zu Weihnachten in Norwegen einfach dazu: Die Kanelboller

 
  Text und Bilder: Janina Renk


Mittwoch, 26. November 2014

Erster Campus Slam – Poetry meets Science

Vergangenen Mittwoch fand der 1. Campus Slam im ausverkauften Audimax der WiWi-Fakultät statt. Poetry-Profis, Wissenschaftler und Studierende der Uni Würzburg traten hier zum ersten Mal gegeneinander an. Organisiert wurde die Veranstaltung von einem Team Würzburger Studierender. Die Eintrittsgelder sowie die zusätzlichen Spendeneinnahmen kamen dem Verein „Menschenskinder e.V.“, der sich um psychisch kranke Kinder und Jugendliche in Würzburg und Umgebung kümmert, zugute.

Chris und Leo, die beiden Gründer von „Würzburg erleben“, führten durch den Abend, der mit dem Slam der vier Poetry-Künstler Christian Ritter, Pauline Füg, Marvin Ruppert und Thomas Röper begann. Ritter widmete sich in seinem Vortrag dem, so sagte er selbst, „zeitlosen wie heiteren“ Thema Stalking. Verpackt in einen ebenso amüsanten wie absurden Briefwechsel zwischen Stalker und Gestalkter, unterbrochen durch Kommentare des Briefträgers, entlockte er dem Publikum so manchen Lacher. Pauline Füg schlug dann nachdenklichere Töne an. Peter Pan, der Junge, der nicht erwachsen werden wollte, und Wendy, das Mädchen, das er mit nach Nimmerland nahm und die dann in ihre – unsere – Welt zurückkehrte, um erwachsen zu werden, waren die Protagonisten in ihrem Vortrag. Marvin Ruppert schließlich wandte sich einem Thema zu, das so wohl jeder kennt und mit dem jeder auf seine Weise umgeht – Liebeskummer. Ruppert bediente sich kurzerhand Georg Büchners Klassiker „Woyzeck“ und begann seine Geschichte damit, wie alle Geschichten enden, nämlich mit dem Schluss. So stand am Ende der Anfang, nämlich die Liebe. Der letzte im Bunde der Poetry Slammer, Thomas Röper, trug einen Text mit dem Titel „Der Herr der Lage – Die Gefährten“ vor. Denn jeder kennt diese Menschen, die ständig am Rotieren sind, dabei, so Röpers Moral von der Geschicht‘, ist die Arbeit zusammen doch nur halb so schwer.

Nachdem alle vier ihre Auftritte hinter sich hatten, durfte das Publikum den Sieger des Poetry Slams bestimmen. Dies erfolgte, wie jeder erfahrene Poetry-Slam-Gänger weiß, anhand des Applaus‘. Für Marvin Ruppert klatschten und jubelten die meisten, so stand er als erster Finalist fest. Wer sein Gegner im Finale sein sollte, entschied sich im anschließenden Science Slam.
Die Besonderheit an einem solchen Science Slam besteht darin, dass Wissenschaftler gegeneinander antreten und dem Publikum dabei ihr Fachgebiet verständlich machen und natürlich trotzdem unterhalten sollen. In diesem Sinne trat als Erster Dr. Matthias Beyer auf die Bühne, um über seine Profession, die Chemie, zu sprechen. Dabei nutzte er wohl alle aufmerksamkeitswirksamen Mittel von diversen alkoholischen Getränken bis hin zu Parties, um zu veranschaulichen, was sich der Otto Normalbürger unter biodegradierbaren Hybridpolymeren vorzustellen hat. Die Lacher des Publikums jedenfalls sprachen dafür, dass er damit erfolgreich war. Und dass, obwohl er bewusst auf das aufmerksamkeitserregendste Mittel schlechthin verzichte: kleine, süße Tiere mit großen Augen.

 Im Anschluss war die Bühne frei für die Geisteswissenschaften. Genauer gesagt für Julien Bobineau, der sich mit französischer Lyrik beschäftigt. Das mag sich trocken anhören, der Titel, den er seiner Präsentation gab („Blutwurst, Leberkäse und Geschlechtsverkehr – Zur Mehrdeutigkeit erotischer Poesie“), zeigte jedoch bereits, dass man dieser Thematik auch mit einer ordentlichen Portion Humor begegnen kann.

Danach war die Reihe am Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Thome. Dieser spannte den Bogen von der Frage, wie viele Engel und wie viele Bits denn auf eine Nadelspitze passen, über einen Blick in unsere Zukunft und die Entwicklung neuer Technologien, hin zu einem mehr oder weniger dramatischen Showdown. Zu guter Letzt trat dann der Psychologie-Student Florian Steinbichl auf, der sich in seinem Vortrag mit Selbstwertgefühl, Narzissmus und Facebook befasste. Auch beim Science Slam wurde ein Gewinner ermittelt, hier gestaltete sich die Sache jedoch etwas spannender als bei den Poetry-Slammern. Julien Bobineau und Prof. Thome lieferten sich ein enges Rennen, am Ende fiel die Entscheidung dann auf Julien Bobineau.
Dieser traf in der Finalrunde, wie bereits erwähnt, auf den Poetry Slammer Marvin Ruppert. Beide zeigten nochmal ihr ganzes Können, so dass es für das Publikum und die Jury schwierig war, einen eindeutigen Gewinner zu bestimmen. Spontan wurde beschlossen, den Siegertitel beiden zuzusprechen.

Der Abend war ein voller Erfolg, und das nicht nur für die Gewinner des 1. Würzburger Campus Slams, sondern auch für die Organisatoren und den Verein „Menschenskinder e.V.“. Durch die eingenommenen Eintrittsgelder und die zusätzlichen Spendeneinnahmen konnte schlussendlich eine Spendensumme in Höhe von 2164,54€ verkündet werden.

Kleinkunst für den guten Zweck: Die Teilnehmer des Campus Slam

Text und Bild: Vanessa Luksch

 

Dienstag, 25. November 2014

Studi- und Kulturticker vom 25. bis 30. November 2014

Poesie!

Die jungen Freunde des Kulturspeichers laden am Donnerstag, den 27. November, um 18 Uhr zum Poetry Slam. Jungautorin und Slammerin Pauline Füg führt unter dem Motto „Kunst trifft Poesie“ durch den Kulturspeicher. Für Studenten ist der Eintritt frei, um eine kurze Anmeldung wird gebeten.

Theater!

Das Cairo lädt am Dienstag, den 25. November, um 20.30 Uhr mal wieder zum sportlichen Impro-Wettkampf. Improtheaterspieler treten in den unterschiedlichsten Disziplinen gegeneinander an. Das Publikum hat es schließlich in der Hand, wer als Sieger nach Hause gehen kann. Der Eintritt kostet 5 Euro.

Ringvorlesung!

Im Mittelalter ging es derb und zotig zu? Oder verbrachten die edlen Ritter ihre Freizeit damit, ihre Herzensdame zu minnen? Die Ringvorlesung „Überall ist Mittelalter“ am Dienstag, den 25. November, gibt ab 19.30 Uhr nähere Auskunft und räumt mit so einigen Mythen auf. Denn im Vortrag von Dr. Ursula Kundert dreht sich alles um Umgangsformen. Die Veranstaltung findet im Brose-Hörsaal der Neuen Uni statt.

Ewiges Eis!

Der Klimawandel bedroht die Polkappen und das „Ewige“ Eis erscheint alles andere als unvergänglich. Der Fotograf Peter Kirner schafft mit seiner Ausstellung in der Volkshochschule nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Bewunderung für die Schönheit der Arktis. Seine Eindrücke, die er auf Touren in die arktische Welt mit seiner Kamera eingefangen hat, werden nun in Würzburg ausgestellt. Noch bis zum 12. Dezember könnt ihr die Ausstellung erleben.

Donnerstag, 20. November 2014

Junge Literatur für eine neue Generation

Der Literaturbetrieb überschwemmt sein Publikum alljährlich mit abertausenden von Neuerscheinungen. Es fällt schwer, in dieser Masse die Stimme der jungen Generation herauszuhören. Im Jahr 2008 haben vier Würzburger Studenten beschlossen, dass das nicht so bleiben muss. Ihr Verlag „stellwerck“ darf sich heute nicht nur mit namhaften Jungautoren, sondern auch mit einer Kunstvilla in der Zellerau schmücken. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht jedoch nach wie vor die Förderung des noch unbekannten literarischen Nachwuchses.

Breite Plattform für Nachwuchsdichter

Angehende Autoren, die in einem vom Mainstream bestimmten Literaturbetrieb keinerlei Beachtung finden würden, werden vom „stellwerck“-Team immer ernst genommen. „Unser Ziel ist es, bereits heute die Gegenwartsliteratur von morgen vorzustellen“, erklärt Christine Ott, Alumni der Uni Würzburg und Mitbegründerin des Verlages. Und Michael Pfeuffer, ihr Kollege bei „stellwerck“, ergänzt: „Unser Verlagsprogramm ist nicht eng begrenzt. Unsere Autoren bestimmen unser Programm mit ihren Einsendungen.“ Dementsprechend bietet der Verlag nicht nur eine große inhaltliche Vielfalt, sondern veröffentlicht von Lyrik über Romane bis hin zu Kurzgeschichten auch die unterschiedlichsten literarischen Ausdrucksformen. Bisher sind Lyrik- und Prosaanthologien sowie ein Roman bei „stellwerck“ erschienen. Außerdem ist eine Poetry Slam-CD in Planung. Die Kontaktaufnahme zum Verlag funktioniert dabei recht unkompliziert. Angehende Autoren sollten ihre Texte am besten per Post mit einem kurzen Lebenslauf an „stellwerck“ senden. Das Team bemüht sich in jedem Fall um ein zeitnahes Feedback.

Wollen jungen Autoren eine neue Plattform eröffnen: Michael und Christine vom "stellwerck"-Verlag


Slam-Workshops mit Pauline Füg

Doch nicht nur die Literatur der Generation jenseits der 20 steht im Mittelpunkt des Konzepts von „stellwerck“. „Die Nachwuchsförderung ist uns besonders wichtig“, erklärt Michael. „Wir bieten jungen Leuten die Möglichkeit, sich völlig ungezwungen im Spiel mit der Sprache zu versuchen.“ Dies gelingt vor allem durch Workshops, mit welchen der Verlag Schüler aller Stufen erreicht. Nicht zuletzt dank des Engagements der bekannten Poetry-Slammerin Pauline Füg, die mit dem Lyrikband „die abschaffung des ponys“ ebenfalls im Würzburger Verlag veröffentlicht hat, finden besonders die Poetry Slam-Projekte bei den Teenagern großen Anklang. Die Workshops funktionieren hierbei auch als spielerische Form der literarischen Rekrutierung: „Wir haben vor kurzem den ersten U20-Slam der Region veranstaltet“, berichtet eine sichtlich stolze Christine. „Unsere Workshops helfen jungen Leuten dabei, ihre Schüchternheit abzulegen, ihre Gedanken offen zu äußern und sich mit ihrer Kunst an die Öffentlichkeit zu wagen.“

Kunsterlebnisse in der Villa Jungnikl

Seit diesem Herbst ist der Verlag außerdem stolzer Mitinitiator der Villa Jungnikl, welche zu einem Zentralorgan junger Kunst und Kultur in der Domstadt werden soll. Gemeinsam mit dem Verein „Kunst im öffentlichen Raum“ organisieren die jungen Verleger in dem Haus in der Zellerau Abendveranstaltungen sowie Schreib- und Kreativworkshops. Am 21. November lädt die Villa Jungnikl zur „ersten Feiererei“ mit Jazz, Blues, einer Foto-Vernisage und – natürlich – Dichtkunst. Denn bei dieser Gelegenheit wird Axel Roitzsch aus seinem im „stellwerck“-Verlag erschienenen Roman „Der Redner“ vortragen.


Axel Roitzsch wird in der Villa Jungnikl aus seinem Erstlingswerk vortragen

 
Bedarf an ehrenamtlichen Helfern

Die jungen Verleger sehen zuversichtlich und voller Tatendrang in die Zukunft. Mit dem Engagement in der Villa Jungnikl wachsen zugleich Aufgaben und Verantwortung. Christine und Michael freuen sich daher immer über die Unterstützung ehrenamtlicher Helfer, die Teil dieses Projekts werden möchten. Die Aufgaben sind dabei so vielseitig wie die Werke, die in ihrem Verlag erscheinen. „Ob nun im Lektorat, als Bezugsperson für die Autoren oder hinter der Abendtheke – es bestehen viele Möglichkeiten, sich bei 'stellwerck' einzubringen.“

Mehr Infos unter stellwerck.de


Text: Katharina Stahl
Bilder: stellwerck Würzburg