Freitag, 24. Januar 2014

Sanfte Reggae-Vibes gegen schlechtes Wetter und Lernstress


Grauer Himmel, Regen, Kälte und auch noch Klausurenzeit! Der Semesterendspurt ist im Winter immer am schlimmsten. Da sehnt man sich doch nach Sommer, Sonne und chillen am Mainkai.
Das aktuelle Album „Frequency“ von Jahcoustix bringt dieses Gefühl zurück. Mit entspannenden Reggae-Beats und tiefgehenden Texten ist die Platte der perfekte Soundtrack um schlechtes Wetter und Lernstress für kurze Zeit zu vergessen.
Auf dem neuen Album betritt Jahcoustix stilistisch zwar kein Neuland, die Idee und Herangehensweise unterscheiden sich jedoch deutlich von allen Vorgängern. Diesmal hat er die Songs nicht mit seiner Band, sondern mit verschiedenen Produzenten aufgenommen und den Fokus ebenfalls auf die Zusammenarbeit mit Gast-Sängern gelegt. So sind auf dem Album auch die Künstler Apple Gabriel, Horace Andy, Kabaka Pyramid & Raphael  und Dub Inc. zu hören.
Das musikalische Highlight des Albums ist eindeutig der Track „Better Days“, bei dem Jahcoustix mit der französischen Band „Dub Inc.“ zusammengearbeitet hat. Der Gesang von Hakim Meridja gibt dem Song eine arabische Note die den Hörer an einen Urlaub im warmen Nordafrika denken lässt. Ein gutes Motto und Motivation für die Prüfungszeit  gibt auf jeden Fall die Textzeile „Better days will come, don’t wait 'til tomorrow“, welche dem Song seinen Titel verleiht.
Wer dann nach den Klausuren Lust hat, sich den Stress und Frust von der Seele zu tanzen und entspannt in die Vorlesungsfreie Zeit zu starten, dem sei ein Live-Konzert von Jahcoustix empfohlen. Am Donnerstag, den 20. Februar 2014 kommt er in die Posthalle. Einlass ist um 20 Uhr, Beginn um 21 Uhr. Karten kosten knapp 15 Euro und sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen zu haben.


Jahcoustix ist bekannt für entspannte Reggae-Vibes
Text: Beatrice Kennepohl
Foto: Pressefoto

Schon entdeckt?

Seit dieser Woche liegt die neue Max&Julius auf dem Campus aus!


Sonntag, 19. Januar 2014

Studi- und Kulturticker vom 20.01-26.01.2014


KUNST!

„Voll den Durchblick“ bekommt ihr bei der Video-Installation von Kurt Fleckenstein, welche ab Montag im Kulturspeicher zu sehen ist. Er fordert die Besucher auf seine Sichtweisen zu hinterfragen und neue Blickwinkel einzunehmen. Auch ist die Dauerausstellung des Kulturspeichers immer ein Besuch wert. Eintritt für Studenten kostet 2,50 Euro. Kleiner Tipp: Am Donnerstag ist wieder der letzte Donnerstag im Monat und somit der Eintritt für Studierende frei.


LITERATUR!


Der Würzburger Autorenkreis ist eine Gruppe von Würzburger Schriftstellern, die die literarischen Aktivitäten in Würzburg und der Region bündeln und gemeinsam Literaturprojekte realisieren. Regelmäßig finden in der Stadtbücherei Würzburg Lesungen dieser Autoren statt. So auch am kommenden Donnerstag um 19:30 Uhr. Es lesen Pauline Füg „Heute nicht ans mehr“, Matthias Hahn „Wächter des Paradieses“ und Ulrike Schäfer „Spiele“. Der Eintritt kostet nur 5 Euro.


MUSIK!


Der Monteverdichor und das Barockorchester der Hochschule für Musik bringen Georg Friedrich Händels Oratorium „Saul“ das erste Mal in Würzburg zu Gehör. Wer ein groß und farbig besetztes Orchester mit richtig viel „Wumms“ und einen stimmgewaltigen Chor erleben möchte, der kommt am besten am kommenden Donnerstag um 20 Uhr in die Neubaukirche. An der Abendkasse kosten die Karten 10 Euro. 

Wer nicht so sehr auf Klassik, sondern eher auf Jazz steht, der sollte am gleichen Abend im Omnibus vorbeischauen. Hier gibt es Jazz, Rock, Swing, Funk und Latin mit der Chicken Swings Big Band. Ab 21 Uhr.
 

THEATER!


Theater gibt es diese Woche auf eine ganz besondere Art und Weise. Und zwar nicht als Bühnenstück, sondern als Spaziergang hinter den Kulissen. Hier könnt ihr endlich eure Neugierde befriedigen und einen Blick hinter Türen werfen, die einem normalen Theatergänger sonst nicht offen stehen.  Ob Schreinerei, Malsaal, Maske oder Schneiderei: Hier lernt ihr die Abläufe des Mainfrankentheaters kennen. Karten gibt es nur um Vorverkauf an der Theaterkasse, deshalb rechtzeitig daran denken welche zu besorgen! Die Kosten belaufen sich auf 5 Euro. Wenn ihr dann welche ergattert habt geht es am Samstag um 15 Uhr am Bühneneingang los.

Rezension: "Der Besuch der alten Dame" in der KHG



„Kill Ill“ – schon die kreative Wortneuschöpfung auf dem blutbefleckten Programm des KHG-Theaters weckt Neugier. So verwundert es nicht, dass schon wenige Minuten nach dem Öffnen der Tore für die Premiere des Stücks „Der Besuch der alten Dame“ von dem Schweizer Schriftsteller F. Dürrenmatt der Theaterraum in der Katholischen Hochschulgemeinde bis auf den letzten Platz gefüllt ist und viele Wartende auf die nächste Vorführung vertröstet werden müssen. Die Regisseure Florian Lußem und Angelina Gerhardt sind begeistert über den riesigen Ansturm auf die Premiere.
Neunzehn Schauspieler führen mit unglaublichem Talent die Tragikkomödie von 1956 in der klassischen Fassung auf. Das Stück dauert etwas über zwei Stunden – Respekt fürs Textlernen! Hauptperson ist die „alte Dame“ Claire Zachanassian, die nach vielen Jahren der Abwesenheit in ihren verarmten Heimatort Güllen zurückkehrt. Die eiskalte Milliardärin kommt mit Ehemann Nr. 7 (im Laufe des Stücks kommen noch Nummer acht und neun hinzu) und einem Gefolge ulkiger Typen in das eingeschlafene Dörfchen und verändert das Leben der Güllener für immer: Sie bietet der Stadt eine Milliarde an – die Rettung für die hoch verschuldete Bevölkerung. Doch ihre Bedingung hat es in sich. Sie will Rache und fordert den Tod Alfred Ills (ILL), ihrer großen Jugendliebe, der sie vor vielen Jahren verleumdet hat, als sie von ihm schwanger war. Die Güllener sind empört über die Aufforderung zum Mord und lehnen den Deal aus moralischer Überzeugung ab. Alfred Ill ist mittlerweile Familienvater, beliebtester Bürger des Ortes und zukünftiger Bürgermeister.
So bleibt die alte Dame in Güllen, wohl wissend über die Schwäche und Gier der Güllener. Ganz langsam breitet sich ihr negativer Einfluss aus und die Bürger, den Lehrer, die Bürgermeisterin, die Ärztin und sogar den Pfarrer lässt sie durch ihre bloße Anwesenheit immer mehr zweifeln: Was ist ein Menschenleben gegen Reichtum? Wunderbar dargestellt ist dieses Ausbreiten der Korruption, Gier und Schuld durch gelbe Kleidungsstücke, die sich die Bürger kaufen – das Geld der Zachanassian bereits fest einplanend. Es beginnt mit gelben Schuhen, Schals und Oberteilen. Bald trägt die Bürgermeisterin gelb, der Polizist und schlussendlich sogar der Lehrer. Einige Personen sind sich ihrer Schwäche anfangs noch bewusst und entschuldigen sich schon im Voraus für ihr zukünftiges Verhalten. Keiner hat den Willen oder die Kraft, sich zu wehren. Und so kommt es, wie die alte Dame geplant hat. Ill muss um sein Leben fürchten; er kann sich den indirekten Drohungen und Andeutungen seiner Mitmenschen nicht mehr entziehen und fügt sich am Ende widerstandslos seinem Schicksal.
Friedrich Dürrenmatts Stück ist ein Welterfolg – berechtigterweise. Es deutet auf die Missstände der Gesellschaft hin; auf Gier, Korruption, Schuld und Macht. Die Schauspieler inszenieren das Stück unglaublich packend und mit großem Talent, besonders die beiden Hauptdarsteller begeistern mit ihrer Professionalität. Die Premiere war ein Riesenerfolg, und so wird es mit Sicherheit bei den vier folgenden Aufführungen weitergehen. Also: Zuschauen wärmstens empfohlen! Allerdings muss man früh genug kommen, um noch einen Platz zu ergattern! Der Eintritt ist frei. 

Weitere Termine: 22., 23. und 25. Januar

 
Text: Friederike Wehrmann, Melissa Weyrich
Bild: KHG Würzburg

Donnerstag, 16. Januar 2014

Who the heck is Julius Maximilian?


Gute Frage. Als Student der Julius-Maximilians-Universität muss man doch wissen, wer ebendieser Julius Maximilian war, oder nicht? Wenn man in Würzburg studiert und lebt, begegnet einem der Name schließlich überall. Also habe ich mich unter den Studenten mal umgehört, um etwas über den Namensgeber unserer Uni zu erfahren.

Dem Universitätsgründer Julius Echter ist an der Juliuspromenade ein Denkmal gewidmet

Leider brachte die Umfrage wenig Licht ins Dunkel. Ich bekam ausnahmslos die gleiche Antwort: „Weiß ich nicht.“ Wie kann es sein, dass von zwanzig Befragten zwanzig keine Ahnung haben, obwohl sie sich teilweise schon seit Jahren mit dem Namen Julius Maximilian identifizieren? Nun, um genau zu sein neunzehn. Einer war nämlich der festen Überzeugung,  Julius Maximilian sei ein bedeutender Mann in der fränkischen Geschichte gewesen. Was in gewisser Weise auch stimmt – allerdings nicht ein Mann, sondern zwei. Es gab nie einen historisch bedeutsamen Julius Maximilian, zumindest nicht in Würzburg. Aber es gab einen Julius und einen Maximilian, beide von großer historischer Bedeutung. Julius, mit vollem Namen Julius Echter von Mespelbrunn, war im sechzehnten Jahrhundert Fürstbischof von Würzburg; Maximilian II. war zur gleichen Zeit Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
Da die Studenten meine Recherche nicht weiterbrachten, setzte ich meine Hoffnung auf Wikipedia, irgendwer muss schließlich etwas wissen. Dort werden der Universitäts-Namensgebung genau fünfundzwanzig Worte gewidmet - wenig aufschlussreich und etwas enttäuschend. Denn eigentlich ist die Geschichte der Universitätsgründung wirklich interessant.
Erstmalig gegründet wurde die Universität zu Würzburg im Jahr 1402, und ist damit eine der sechs ältesten deutschsprachigen Unis und die älteste Bayerns. Allerdings musste sie nur wenige Jahre später aus finanziellen Gründen schließen. Und dass der Rektor von seinem Kammerdiener aus unbekannten Motiven  ermordet wurde, trug auch nicht unbedingt zu einem guten Arbeitsklima bei. Nach der Auflösung der Hochschule stand die Stadt Würzburg bald vor dem Problem, keine eigenen Beamten oder Geistlichen ausbilden zu können – und gingen die jungen Würzburger zum Studieren in andere Städte, bestand die Gefahr, dass sie mit dem „gefährlichen“ humanistischen Gedankengut in Kontakt kommen könnten. Also musste eine neue, streng  katholische Universität mit klar definierten Regeln und Strukturen her.
Neu gegründet wurde die Universität schließlich 1582 von Julius Echter von Mespelbrunn. Er war Fürstbischof und revolutionierte mit seiner Verwaltungsreform das ganze Frankenland und rettete das Bistum vor dem finanziellen Ruin. Die Meinungen über ihn gingen sehr auseinander. Auf der einen Seite war er ein Freund der Wissenschaften und setzte sich für die Bedürftigen ein. Auf der anderen Seite fand die Hexenverbrennung und Judenvertreibung in Würzburg unter seiner Herrschaft seinen Höhepunkt. Er war ein erklärter Anhänger der Gegenreformation. Kein Wunder also, dass die Julius-Universität, wie er sie ganz bescheiden nach sich selbst nannte, eine streng katholische Institution wurde. Erst 1734, mehr als einhundertfünfzig Jahre nach der Gründung, wurden die ersten nicht-katholischen Studenten zugelassen. Auch wurde den Studenten untersagt, in Wirtshäuser zu gehen oder theologische Gespräche bei Tisch zu führen –klingt nach keinem besonders entspannten Studentenleben. Außerdem war die Aufnahme hoher Kredite oder verpasste Gottesdienstbesuche Grund  zur Exmatrikulation. Julius polarisierte.
Maximilian II. war Ende des sechzehnten Jahrhunderts Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches“. Er zeigte, im krassen Gegensatz zu Julius Echter, protestantische Neigungen, musste aber für seine Krönung ein Bekenntnis zum Katholizismus ablegen.  Er verlieh der wiedergegründeten Universität Würzburg  am 11. Mai 1575 die erforderlichen kaiserlichen Privilegien, um das „Collegium der Hohenschuel zu Würzburg“ endlich offiziell Universität nennen zu können. Dieser Tag ging als Stiftungsfest der Universität in die Geschichte ein.
Unter Julius Echters strenger Verwaltung blühte die Universität auf. Zum ersten Rektor sowie zum ersten Kanzler wurde, natürlich, er selbst ernannt.  Um den Fehler seiner Vorgänger nicht zu wiederholen, hatte er einen überaus erfolgreichen Plan entwickelt: Jedes der Klöster seines Bistums musste einen regelmäßigen Beitrag zur finanziellen Absicherung der Universität leisten. Um genug Räumlichkeiten für die ersten Fakultäten, nämlich Theologie, Medizin, Jura und Philosophie, zu haben, übernahm er einige Gebäude des Jesuiten-Ordens, was ihnen einen gewissen Einfluss auf die Universitätsgestaltung sicherte. Trotzdem sorgte Julius Echter dafür, dass er das Sagen behielt. Wo wir wieder beim Thema wären – manche bezeichneten ihn als extrem klug und revolutionär, für andere war er einfach machtbesessen. Wie dem auch sei, er verstand es, die Universität zu etablieren.
Auch der Tod Julius Echters 1617 passt zu seiner außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Er habe eine Doppelhochzeit veranstaltet. Beim Verzehr einer Melone soll er sich dort eine Erkältung zugezogen haben, an der er letztendlich starb. Schon zu Lebzeiten hatte er dafür gesorgt, dass sein Herz in der Universitätskirche beigesetzt wird. 

Julius wusste also, was er wollte, und setzte sich dafür ein. Eigentlich kein schlechtes Motto für eine Uni, oder?


Text und Bild: Friederike Wehrmann

Montag, 13. Januar 2014

Studi- und Kulturticker vom 13.01. - 19.01.2014


THEATER!

Ab Freitag wird im KHG-Theater an fünf Terminen das Stück „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt aufgeführt. Sagt euch nichts? Dann solltet ihr erst recht hingehen. Die Tragik-Komödie handelt von der Korruption der Menschen und der Schuld eines Einzelnen und weist beeindruckend auf die Missstände der Gesellschaft hin. 

Termine: 17./18./22./23./25.01., Beginn 20:30 Uhr, Eintritt frei.

Am 15.01. werden in der Stadtmensa Karten fürs Mainfrankentheater verkauft! Dort gibt es in der Zeit von 11.30 bis 14.00 Uhr nicht nur Informationen rund um das Theater, den Spielplan mit den Produktionen aus Musiktheater, Schauspiel, Ballett und Sinfoniekonzerten, sondern es werden vor allem auch Studenten-Tickets zu einem Sonderpreis von 6,00 Euro (im Vergleich: ab 9,00 Euro an der Abendkasse) angeboten.

 SHOW!

 Am 15.01. kommen die international bekannten und für ihre außergewöhnliche Show gefeierten Magier-Brüder „Ehrlich Brothers“ im Rahmen ihrer Deutschland Tournee ins Congress Centrum nach Würzburg. Die beiden Zauberer wollen mit spektakulären Tricks in ihrer Show „Magie-Träume erleben!“ die Zuschauer in ihren Bann ziehen. 

KINO!

 Ab dem 13.01. gibt es endlich wieder einen „Dadord Würzburch“ zu sehen. Die Hobbyfilmgruppe radio rimpar television produziert die Lokal-Krimireihe, die im Würzburger Raum großen Anklang findet. Die neue, mittlerweile  vierte Episode mit dem Titel „Falschspieler“  läuft nun bis zum 18.02. immer montags und dienstags um 19 Uhr sowie sonntags um 11Uhr im CinemaxX. Eine Karte kostet 9 Euro. In dem neuen Film geht es um den bekannten Rechtsanwalt Raimund Erdmann, der  mit einer Machete im Kopf tot im Tümpel des Bahnhofsparks aufgefunden wird. Verdächtige scheint es in Würzburg jede Menge zu geben… 

PARTY!

 Die Posthalle hat sich mal was Neues einfallen lassen und feiert am Freitag eine „Aerobic-Dance Night“. Los geht’s um 22 Uhr, und jeder der dort im Sportdress aufläuft kommt kostenlos rein. Power-Dancing und Exzess-Aerobic werden bei Elektro-Trash-Party-Pop Musik erwartet. Na dann los!

Montag, 6. Januar 2014

"Freitag Nacht" im Mainfrankentheater: Ein Augenzeugenbericht

Als ich gegen 22 Uhr abends am Bühneneingang des Mainfrankentheaters ankomme, werde ich freundlich hereingebeten. Schon hier merke ich die ersten Unterschiede: Nicht nur, dass ich mich zwischen vielen Mitarbeitern des Theaters befinde und kaum Besucher anwesend sind (man könnte meinen, das sei eine theaterinterne Veranstaltung), auch der Warteplatz ist außergewöhnlich. Immer wieder laufen Schauspieler vorbei, die sich gegenseitig schönen Feierabend wünschen. Aber es geht spannend weiter. Wir werden in das leere Foyer geführt, dürfen selbstständig die Garderobe nutzen und danach geht es in einen Raum, im Keller des Gebäudes, der nur Platz für ca. 20 Personen bietet. Ich sitze in der ersten Reihe. Begrüßt werden die Besucher mit einer kleinen Schokofigur auf jedem Platz. Nach sehr kurzer Wartezeit erscheinen die Schauspieler für heute Abend. 

Es sind zwei, eine Dame und ein Herr, die die Geschichte von Gustl Mollath und seiner (Ex-)Frau erzählen. Die Bühne besteht aus je einem Tisch pro Schauspieler. Außerdem werden eine Topfpflanze und ein Richterhammer präsentiert. Beide haben ihren Text in ausgedruckter Form vor sich liegen und tragen ihn vor. Petra Mollath übernimmt hierbei immer die juristische Instanz und verdeutlicht die Gerichtsbeschlüsse immer mit einem Hammerschlag, was im Kellerraum eine voluminöse Auswirkung hat. Die Geschichte ist so paradox, dass sie in Deutschland kaum vorstellbar ist. Gustl Mollath, ein rechtschaffener Bürger, will die illegalen Geldgeschäfte seiner Frau aufdecken und wird dafür bestraft, weil alle höher gestellten Personen, wie Ärzte, Richter, Anwälte mit in den Geschäften verwickelt sind. Nachdem er mehrere Jahre unschuldig in Gefängnis verbringen musste, wird er aufgrund des öffentlichen Drucks jedoch frei gelassen. Übrig bleiben dem einst wohlhabenden Mann jedoch nur seine Kleidung, die er am Leib trug, und die auf dem Tisch befindliche Topfpflanze. 

Die Darstellung des Stücks auf relativ einfache Weise mag simpel oder gar eintönig wirken. Aber durch die Nähe, die man zum Vortrag hat, wird man vollständig eingenommen. Die Schauspieler sind enorm ausdrucksstark, das einfache Bühnenbild ist völlig ausreichend. Genauso ungewöhnlich wie der Inhalt des Stücks ist damit auch seine Präsentation. Eine Mischung, die sich gegenseitig ergänzt und damit den Zuschauer für sich gewinnt. Wer sich auf ein außergewöhnliches Stück am Theater einlassen möchte, der sollte definitiv die nächste Vorstellung besuchen,
denn man befindet sich wahrscheinlich nirgends näher an Schauspielern als bei diesem Format.

Karten sind zum Preis von 7 Euro erhältlich.

Text: Claudia Niedermeier