Donnerstag, 25. September 2014

Buddha in Würzburg



Meditieren und Geist, Glück und Erleuchtung, Dalai Lama und der 16. Karmapa – beim Tag der offenen Tür im Buddhistischen Centrum Würzburg konnten Interessierte mehr über den Alltag und die Weltanschauung eines Buddhisten in Deutschland lernen.

Das Meditationszimmer: Im Hintergrund eine goldene Buddahstatue und Bilder wichtiger Persönlichkeiten

 Der Treffpunkt für Angehörige des buddhistischen Glaubens im Kreis Würzburg ist eine wunderschöne, helle Altbauwohnung mit hohen Decken und großen Fenstern in der Kaiserstraße. Nicht nur den rund achtzig festen Mitgliedern stehen dort die Türen offen, regelmäßig ist das Centrum auch speziell für Besucher geöffnet. Mit Einführungsvorträgen, gemeinsamen Meditationen und Gesprächen bei einer üppigen Kuchenauswahl können Interessierte mehr darüber lernen, wie die buddhistische Lebensweise aktiv in unserer heutigen Gesellschaft praktiziert wird.

Umstrittener Gründer
 
Das Center in Würzburg wurde 1972 von dem Dänen Ole Nydahl gegründet. Dieser trägt die Bezeichnung ‚Lama‘ und gilt als bekanntester, aber gleichzeitig auch umstrittenster Lehrer des Buddhismus in Europa. Vor knapp fünfzig Jahren reiste Lama Ole, wie er von seinen ‚Freunden‘, den Anhängern seiner Glaubensrichtung, genannt wird, nach Tibet. Dort traf er den 16. Karmapa, eine bedeutende Persönlichkeit des Diamantweg-Buddhismus. Nach dieser für ihn sehr eindrucksvollen Begegnung machte es sich der Däne zur Lebensaufgabe, in Europa den Buddhismus bekannt zu machen – mit Erfolg, wie man an weltweit mehr als 600 von ihm gegründeten Zentren sieht.
Viel Wert legen die Buddhisten darauf, dass sie niemanden missionieren, sondern nur überzeugen und den ‚richtigen Weg‘ weisen wollen. Dies tut Lama Ole Nydahl mit viel Inbrunst, Energie und Überzeugungskraft. Seine Anhänger sehen zu ihm als weisen, gebildeten Lehrer auf, es herrscht ein starker Personenkult um ihn. Sieht man sich in der Würzburger Wohnung um, ist sie dekoriert mit Fotos, Postern und Büchern von Lama Ole. Es erweckt den Eindruck, als sei er den Anhängern des Diamantweg-Buddhismus beinahe wichtiger als die goldene Buddha-Statue, die im Meditationszimmer thront. Doch besonders diese extrem starke Bedeutungsbeimessung wird sehr kontrovers diskutiert. Was für Ole Nydahls Schüler als ein großes Talent zum Sprechen gilt, ist für die Kritiker Manipulation, klare Statements Radikalismus, seine Selbstsicherheit Arroganz. „Er macht den Mund auf, wenn er Ungerechtigkeit in der Welt sieht“, erklärt dies Christiane Braun aus Kitzingen, die seit 2003 Mitglied des Würzburger Centers ist. Im Internet findet man hingegen diverse Vorwürfe des Rassismus und des Rechtsradikalismus. Auch wird gespottet, er vertrete eine Art „europäischen Buddhismus light“, der mit den Grundzügen des ursprünglichen Glaubens nur noch wenig Gemeinsamkeiten habe.

Alte Traditionen im Alltag nicht mehr passend

 Hier muss sich natürlich die Frage gestellt werden, ob dies nicht in unserer heutigen, westlichen Gesellschaft mit fast jeder Glaubensrichtung der Fall ist, schließlich nehmen Religionen immer weniger Platz in unserem Leben ein und müssen sich der schnelllebigen, modernen Gesellschaft anpassen. „Spezielle Gewänder, Rituale und Traditionen lassen sich heute in Europa oft schwer umsetzen und sind wenig zeitgemäß“, sagt Christiane Braun. So plane sie zwar jeden Tag Zeit zum Meditieren ein, viele alte Traditionen seien aber im Alltag nicht mehr passend.
 „Buddhas, und damit auch unser erklärtes Ziel war und ist es, dass Menschen das wahre Glück finden. Niemandem soll etwas aufgedrängt werden. Findet jemand sein Glück und die Erfüllung in einem anderen Glauben, ist das gut; darüber freuen wir uns“, betont Christiane Braun, die sich seit mehr als 15 Jahren als Buddhistin bezeichnet und in Würzburg ein aktives Mitglied des buddhistischen Vereins ist. Bewusst müssen sie sich als Verein bezeichnen, denn in Deutschland ist der Buddhismus keine anerkannte Religion. Dies störe die meisten aber wenig, denn „dadurch ersparen wir uns viel Bürokratie“.

Furchtlosigkeit, Freude und Liebe als Hauptkomponente der Erleuchtung

Die Würzburger sind Anhänger des Diamantweg-Buddhismus, im Fachjargon der Karma-Kagyü-Schule, einer der drei großen Richtungen des buddhistischen Glaubens. Im Mittelpunkt stehen hier die Lehren und das Meditieren. Drei Mal wöchentlich treffen sich die Würzburger in der Kaiserstraße zum gemeinsamen Meditieren, sogenannte Schlüsseltreffen, weil extra dafür das Center aufgeschlossen wird. Hier sind jederzeit Gäste willkommen.
Buddhisten versuchen sich täglich Raum zum Meditieren zu schaffen, um in dieser Zeit jegliche Gefühle zu vergessen und dem größten Glück, der absoluten Freude, näher zu kommen. Dass das eigentliche Ziel eines jeden Buddhisten, nämlich die Erleuchtung, nur von den wenigsten in ihrem Leben wirklich erreicht wird, stört die Anhänger wenig. Auch Lama Ole habe dies noch nicht erreicht. Die drei Hauptkomponenten der Erleuchtung sind die totale Furchtlosigkeit, eine aus sich selbst entstehende Freude und eine tatkräftige Liebe. Sie vereint also sozusagen all das, wonach sich wohl jeder Mensch auf dieser Welt sehnt und was in den meisten Religionen oder Glaubensrichtungen gesucht wird. Der Buddhist ist überzeugt, dies alles in sich selbst und in der Meditation finden zu können. „Schließlich ist alles vergänglich“, erklärt Christiane Braun, „auch das Leben ist letztendlich nur eine Illusion, aus der wir erwachen wollen. Unser Körper ist der Palast des Buddha-Geistes.“
Die Buddhisten sehnen sich nach Freude, Glück, Frieden, Toleranz und Liebe – wirklich schöne Eigenschaften, die sich in unserer Welt wohl jeder wünschen und danach streben sollte. Ob er dies im buddhistischen Glauben findet, sei jedem selbst überlassen. 

Wer sich mehr dafür interessiert, kann sich auf Buddhismus Würzburg näher informieren oder mal in der Kaiserstraße 12 vorbeischauen.

Text und Bild: Friederike Wehrmann

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