Montag, 13. Juli 2015

Vom irischen Bettelmönch zur Maß Bier – die Geschichte des Kiliani Volkfests


Würzburg hat sein Kiliani wie München sein Oktoberfest. Wie das oberbayerische Volksfest zu seinem Namen kam, ist recht offensichtlich. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Namen unseres Würzburger Jahrmarkts? 

Wenn in Würzburg irgendwas nach irgendwie für die Geschichte Würzburgs bedeutsamen Personen benannt ist, sind die beiden üblichen Ver-dächtigen in der Regel: Julius (Juliusspital, Juliuspromenade, Julius-Maximilians-Universität,…) und Kilian (Kiliansdom, Kiliani,…). Doch wer war eigentlich dieser Kilian, der Schutzpatron der Franken?

Zunächst mal war Kilian selbst kein Franke, sondern ein Ire, genauer gesagt ein Missionar aus dem irischen Mullagh. Um 686 kam Kilian ins das schöne Frankenland, mit dem hehren Auftrag, die einheimische Bevölkerung zum katholischen Glauben zu bringen. In Würzburg wurde er zum Bischof erkoren und taufte zahlreiche Menschen, unter anderem auch Gosbert, den Herzog von Franken. Der Haken an der Sache: der Herzog von Franken war mit Gailana, der Witwe seines Bruders verheiratet; nach dem christlichen Glauben war das Blutsschande und stellte somit eine Todsünde dar. Kilian drängte den Herzog, diese lasterhafte Liaison aufzulösen und machte sich damit am Herzoghof nicht gerade beliebt. Die gerissene Herzogengattin Gailana, die sich selbstverständlich nicht so einfach von Gosbert verstoßen lassen wollte, inszenierte ein Komplott gegen Kilian und ließ ihn und seine beiden irischen Glaubensbrüder Kolonat und Totnan beim nächtlichen Gebet ermorden. Die Leichen wurden dann in einem Pferdestall verscharrt -  an der Stelle, wo heute das Neumünster steht. Am 8. Juli 752 wurden die Gebeine des Heiligen Kilians von Bischof Burkhard von Würzburg zu Reliquien erhoben. Aufbewahrt werden die heiligen Knöchelchen im Neumünster. Jedes Jahr in der Kilianswoche, um den Gedenktag des Heiligen Kilians am 8. Juli, wird der Schädel Kilians vom Neumünster in den Dom gebracht und dort verehrt.


So viel zum Heiligen Kilian – nur, was hat ein irischer Missionar eigentlich mit Bierzelt und Achterbahn am Hut?


Das Kiliani nahm vor fast einem Jahrtausend seine Anfänge, im Jahre 1030. Damals bestand es vornehmlich aus Verkaufsständen vor dem Dom und in der Domstraße,  wo Pilger, die zum Gedenktag des Heiligen Kilians nach Würzburg gekommen waren, Nahrung, aber auch Kleidung und Dekorationsgegenstände wie Kerzen oder Kränze, kaufen konnten. Im Laufe der Zeit profitierten auch Gaukler und Schausteller von dem regen Treiben, gesellten sich hinzu und boten ihre Kunststücke dar. Die Kilianimesse dehnte sich so über die Jahrhunderte immer mehr aus. 

Bis zum Jahre 1846 nahm der Trubel in der Domstraße zur Kilianimesse derart überhand, dass die Verkaufsmesse von der Schaustellermesse räumlich getrennt wurde. Letztere, der Vorgänger des heutigen  Kiliani, zog zunächst auf den Sanderrasen, dann ans Mainufer, an die Leonhard-Frank-Promenade und schlussendlich, als immer mehr Attraktionen und Fahrgeschäfte hinzukamen, auf die Talavera, wo es noch heute jedes Jahr stattfindet. Und das Bierzelt? Das gab es damals noch nicht. Stattdessen gab es Milch in der sogenannten „Milchhalle“, da das Ausschenken alkoholischer Getränke früher von Seiten der Stadt untersagt war.  

Von Verkaufsständen für Pilger über die Milch-halle zu Bierzelt, Riesenrad und Wildwasserbahn – das Kiliani hat sich ganz schön gemausert. Dieses Jahr bevölkern wieder rund 70 Schausteller mit ihren Fahrgeschäften und Attraktionsbuden die Talavera und sorgen für buntes Treiben auf dem Festplatz. Adrenalinstöße sind auch garantiert - wenn man sich mal wieder hat breitschlagen lassen, in dieses schreckliche Überkopf-Ding einzusteigen, das man eigentlich auf gar keinen Fall fahren wollte… Und im Bierzelt, das trotz des sehr studenten-unfreundlichen Preises von 8,40€ (!) für die Maß Bier immer wieder einen Besuch wert ist, herrscht Gaudi mit Livemusik bis selbst der Letzte auf den Bänken steht und wie von Sinnen „Skandal um Rosi“ mitgrölt. Kurzum: Spaß ist garantiert.   

Bis zum 19. Juli habt ihr noch die Gelegenheit, unser Würzburger Volksfest mit der besonderen Historie zu besuchen, das Sonntagabend mit dem traditionellen Abschlussfeuerwerk endet.

 Charlotte Auth

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