Sonntag, 7. September 2014

Typisch Würzburg - Von Riesen, Geistern und Teufelsbünden

Wusstet ihr schon, dass das Stift Haug mit der Hilfe Beelzebubs persönlich errichtet wurde? Tatsächlich schloss der Baumeister einen Pakt mit dem Teufel, um den komplizierten Kuppelbau zu vollenden. Den Preis für seine Hilfeleistung forderte der Höllenfürst noch am Tag der Fertigstellung ein: Die Seele des unglücklichen Baumeisters! So will es zumindest die Sage.

Der Teufel ist einer der beliebtesten Protagonisten des Würzburger Sagenschatzes. Nicht nur beim Bau der Hauger Stiftskirche soll er seine Finger im Spiel gehabt haben, auch während der Errichtung der Alten Mainbrücke bot er seine Dienste an. Da diesmal jedoch niemand auf sein unschlagbares Angebot eingehen wollte, versucht er seither unermüdlich, die Pfeiler zu unterhöhlen und die Brücke zum Einsturz zu bringen. Touristen und Freunde des Brückenschoppens müssen sich allerdings keine Sorgen machen. Auch nach 500 Jahren scheint er dem Erfolg nicht nahe zu kommen. Denn glücklicherweise wacht der Heilige Kilian über die Stadt und und beschützt sie vor den Tücken des Teufels und seiner Helfershelfer.

Arbeit es gab für Kilian und sein Sondereinsatzkommando, die Brückenheiligen, in den letzten Jahrhunderten nun wirklich genug. Galt es doch nicht nur, den unerwünschten Besuch von Riesen - oder schlimmer: Schweden! - zu überstehen, die letzten Tropfen des Kometenweins zu retten oder beschwipsten, da im Keller der Residenz hausenden Gespenstern Herr zu werden. Einmal im Jahr, zwischen Heiligabend und Heiligdreikönig, stand zumindest in früheren Zeiten eine logistische Meisterleistung an. Die Überfahrt der Wilden Jagd über den Main musste organisiert werden, damit diese bunte Truppe aus Geistern und Höllenkreaturen fröhlich weiter durchs Frankenland spuken konnte.

Ihr glaubt das alles nicht? Müsst ihr auch nicht. Euer Vergnügen an den zahlreichen Sagen, Legenden und Märchen aus Würzburg und Umgebung werdet ihr allemal haben. Nachzulesen sind diese etwa in "Sagen aus Franken" von Hans Hermann Schlund oder "Erzähltes und Erlauschtes in Geschichten, Sagen und Legenden aus dem Landkreis und der Stadt Würzburg" von Christian Will und Rudolf Studtrucker. Letzteres findet sich zwar nicht im Buchhandel, dafür im Lesesaal der Unibib.

Zumindest wisst ihr dann, was ihr zu tun habt, wenn der Teufel euch Hilfe bei eurer Seminararbeit verspricht...


Nur die Brückenheiligen können Würzburg jetzt noch retten...
Text: Katharina Stahl
Bild: Jasmin Zimmer

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